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WOKEN UP

Ich wache neben Caro auf, brauche einen Moment, um mich zu orientieren, schaue ihr einen weiteren Moment beim Schlafen zu, bis sich mit einem leisen Stöhnen durch mein benebeltes Bewusstsein drängt, was ich getan hab.

Ich schlage mir die Hand vors Gesicht, atme einmal tief durch und lasse mich zurück ins Kissen sinken. Scheiße.
Irgendwann hieve ich mich dann aus dem Bett und schwanke in Boxershorts einmal quer über den Flur bis zu den Duschräumen.
Ich weiß nicht, wie lange ich geduscht habe, aber Caro schläft immer noch, als ich zurückkomme, um mir etwas anzuziehen.

Das Schlimmste ist nicht, dass ich schon wieder mit Caro geschlafen habe, das haben wir seit Rom bei Gott oft genug getan, das Schlimmste ist der Grund, warum ich es tue;
Bei Lucie traue ich es mich einfach nicht, sie wirkt zu unschuldig, meine Freundin Mara, die ich absolut nicht betrügen will, weil ich ernsthaft mal eine lange, echte Beziehung wollte, ist zu jung dazu, und Caro schließe ich - zusätzlich dazu, dass sie eine unglaublich gute Verführerin ist - mittlerweile wirklich ins Herz.
Oh ja, mittenrein..
Das Schlimmste ist, dass zwar Sonntag ist, aber die Chancen stehen gut, dass ich Mara heute noch des Öfteren begegnen werde, Caro sowieso. Internatsfluch.
Glücklicherweise ist wenigstens Lucie weit weg, wenn ich die jetzt auch noch um mich herumhätte, würde mich das völlig aus meinem Konzept mit Mara bringen.

Caro wacht auf, als ich rauchend am Fenster stehe und mir die Schläfen massiere, und zieht sich schläfrig an, bevor sie zufrieden gähnt und sich wieder ins Bett fallen lässt. Ich drücke meine Kippe auf dem Fenstersims aus und setzte mich auf den Bettrand. Meine beiden Zimmergenossen sind übers Wochenende zuhause, also sind wir allein.
Mir kommt der Gedanke, dass ich eigentlich heilfroh sein kann, dass sich Caro damit begnügt, herumzuvögeln und dabei ihren Spaß zu haben, ohne das jemandem zu erzählen. Mara wäre sicher nicht gerade begeistert. Auf der anderen Seite ist es für mich natürlich auch nicht gerade Quälerei.
"Caro, mit wie vielen Typen machst du das hier eigentlich?", frage ich sie grinsend.
Sie lacht. "Hältst du mich für ´ne Schlampe?", fragt sie.
"Wieso, bist du eine? Dafür kann ich dich ganz gut ausstehen."
Ihr helles Lachen klingt rau und kratzig vom Schlaf, und ich muss daran denken, wie ich auf der Party, die mittlerweile ein paar Wochen her sein muss, neben Lucie aufgewacht bin, ohne dass da etwas gewesen wäre.
Plötzlich ist mir klar, weshalb ich sie so mag. Sie erinnert mich mit ihrer offenen, ehrlichen, unkomplizierten Art an Lucie.
"Bist du eifersüchtig?", fragt sie lächelnd.
"Ein bisschen.", gebe ich grinsend zu und lasse mich neben sie ins Bett fallen.
Sie schüttelt amüsiert den Kopf, rollt sich auf meine Brust und küsst mich auf den Hals.
"Musst du nicht. Es gibt nur euch zwei.", murmelt sie.
Ich richte mich auf, sodass ich sie auf dem Schoß habe.
"Bitte??", frage ich gespielt fassungslos.
Sie lacht, küsst mich auf den Mund, streicht mir mit einer Hand durch die Haare.
"Amon, dieser Typ aus der zwölften.", antwortet sie. "Weißt du, du hast keinen Grund eifersüchtig zu sein, dann schon eher ich."
"Wieso?"
"Scheiße, tu doch nich so!" Sie lächelt. "Wer von uns beiden ist in einer festen Beziehung??"
"Hey, Mara ist ein tolles Mädchen.", antworte ich.
"Bestimmt. Nur leider fehlt dir mit ihr was, was ich erledigen muss."
"Mach meine Schuldgefühle nicht schlimmer.", stöhne ich.
Als Caros Handy vibriert, zieht sie es kurz aus ihrer Handtasche, die neben uns auf dem Bett liegt, wirft einen Blick auf das Display und seufzt.
"Süßer, ich muss weg."
"Amon?", brumme ich.
"Nein,", antwortet sie amüsiert, "Herr Decker, weil ich um diese Uhrzeit nicht im Mädchentrakt bin, sondern woanders. Lil meint, es wäre besser, wenn er mich hier nicht finden würde, und scheinbar ist er auf dem Weg hierher."
Caro steht auf, sammelt ein paar Sachen zusammen und lacht, als sie merkt, dass ich aufgestanden bin und jetzt gedankenversunken im Türrahmen stehe.
"Schuldgefühle?", fragt sie.
"Ein bisschen.", antworte ich.
Ich drücke sie gegen die Wand und küsse sie in den Nacken.
"Wieso eigentlich ausgerechnet ich?", frage ich zwischendrin. "Es gibt genug andere Typen hier, die Single sind."
"Ich habe schon meine Gründe, Lionel.", murmelt sie und küsst mich lange - lange - auf den Mund. Meine Antwort ist ein tiefes Stöhnen.
"Könntest du dir vorstellen, was mit mir anzufangen?", fragt sie.
"Du kriegst doch immer, was du willst.", antworte ich.
"Trotzdem kann ich nicht ganz nachvollziehen, was an Mara besser ist als an mir.", antwortet sie, ohne es ganz ernst zu meinen.
"Ich will mal eine ernste Beziehung.", gebe ich zu.
"Wir sehen uns.", antwortet sie lächelnd.
"Es würde keinen Sinn machen, Nein zu sagen, du kriegst mich eh wieder rum.", seufze ich resigniert.
"Ich weiß." Sie küsst mich ein letztes Mal und läuft los.
"Caro?", rufe ich ihr nach. Sie dreht sich im Gehen um.
"Was glaubst du, was wir machen würden, wenn wir erst zusammenwären? Ich würde nicht mehr aus dem Zimmer kommen und meinen Schulabschluss verhauen."
Ihr helles Lachen wird vom glücklicherweise leeren Flur zurückgeworfen, ihre Antwort kommt wenig später als SMS.

Ist schon okay so, wie es ist, ich will nur, dass du weißt, dass es einen
Grund gibt, weshalb ich immer und immer wieder mit dir vögel, Süßer.
Grüß Mara von mir, aber bitte ganz dezent.
xoxo
3.7.11 12:14
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


visceral_ / Website (3.7.11 14:00)
amüsant wie immer, vintages !

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