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SWAP, BABY

Ich bin eigentlich nicht der allergrößte Womanizer, und ich bin absolut nicht mit Caro zusammen.
Trotzdem sind wir schon wieder in dem Zimmer mit der roten Couch alleine.
Rumms. Es haut mich hart mit dem Rücken gegen die Wand, aber ich spüre es kaum.

Nachdem wir mit der Metro von der spanischen Treppe wieder zurück zum Termini gefahren sind, ist eigentlich nicht viel passiert.
Ich wollte Lucie anrufen, hab es aber nicht getan.
Caro hat mich auf dem Gang überfallen - zuerst war ich unsicher, ob das sinnvoll ist, aber Sekunden - und einen langen Kuss - später hatte sie mich.
Gottverdammtes Weib.

Rumms. Wieder gegen die Wand. Caro bringt mich schier um, meinen Rücken spüre ich mittlerweile nicht mehr, aber das ist in dem Fall ein angenehmes Gefühl.
Sämtliche Gedanken daran, wie ich mich morgen früh fühlen werde, gehen im Testosteronausch unter.
"Caro, was tun wir hier eigentlich?", keuche ich überflüssigerweise und stöhne, als sie mir die Antwort, breit grinsend, körperlich gibt.

Danach liege ich halbtot auf dem Sofa, starre an die Decke und rauche, Caro liegt auf meiner Brust. Die Fenster sind weit offen, damit der Rauch abziehen kann, aber hier kommt sowieso nur in den seltensten Fällen jemand rein.
Ich bin auf die mir nur allzu bekannte Art zufrieden, wie man es nach solchen Aktionen immer ist. Etwas erschöpft, aber guter Laune, irgendwie befreit.
Als ich einen Blick auf mein Handy werfe, finde ich zwei Anrufe in Abwesenheit - zehn Sekunden halte ich es aus, mir einzubilden, dass es nicht Lucie war.
Danach stelle ich fest, dass es tatsächlich nicht Lucie war, und bin auf eine seltsame Art enttäuscht, die meine Laune erheblich senkt.
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vintages am 16.5.11 21:35


SPAGNA

Hab ich behauptet, dass ich das U-Bahn-System halbwegs verstanden hab? Eher nicht.
Fluchend stolpere ich hinter Mike durch die Schächte und komme einfach nicht drauf, wie er es schafft, sich hier zurechtzufinden. Dabei ist das Metrosystem in Rom vergleichsweise einfach; Zwei Linien, A und B, mit jeweils zwei Richtungen. Das Problem sind die langen Schächte und die unterirdischen Etagen.
"Wohin müssen wir überhaupt?", fragt Karin mich von hinten und muss rennen, um hinter meinen langen Schritten nicht zurückzufallen.
"Linie A in Richtung Battistini, Haltestelle Spagna.", zitiere ich Mike.
"Welche Seite?"
"Keine Ahnung, aber Mike weiß schon, was er tut."
Mit hochgezogenen Augenbrauen drückt sich Karin an mich und läuft schneller, um hinterherzukommen. Sie hält ihre Tasche ängstlich umklammert.
"Du sieht aus wie die klassische Touristin.", grinse ich, lege ihr aber kurz beruhigend eine Hand auf den Arm und nehme ihr ihre Tasche ab. Dankbar lächelt sie mich an.

Nach der U-Bahnfahrt besorge ich mir kurz um die Ecke in irgendeinem kleinem Tabakladen bei einem Inder ein paar Zigaretten, bevor ich Ausschau nach Karin und den anderen halte, die hier gerade eben noch irgendwo waren.
Mike diskutiert heftig gestikulierend mit einem Rosenverkäufer und hat dabei offensichtlich Spaß, Tim, der deutlich besser Italienisch spricht, biegt sich vor Lachen, und zwei Typen aus unserer Parallelklasse, die ich nicht sehr gut kenne, sehen ziemlich fertig aus.
Wir haben ein strammes Programm und rennen täglich von einer Ecke Roms zur nächsten, einige scheint es echt mitzunehmen, die beiden zum Beispiel, und die Mädchen sehen auch müde aus.
Seit sieben Uhr haben wir Freizeit, waren eben noch kurz im Hotel und haben dann beschlossen, mit der Metro zur Spanischen Treppe zu fahren, um ein bisschen zu entspannen und Rom auf uns wirken zu lassen.



Wir sitzten irgendwo ziemlich weit oben am Rand, die Steine sind warm, und ich rauche entspannt eine nach der anderen, während ich, ohne den Sinn zu erfassen, mitkriege, dass die Mädels quatschen und quatschen und quatschen...
"LIONEL."
Mia widerholt ihre Frage, als sei ich daran Schuld, dass ich kein Mädchen bin und deshalb nicht zugehört habe.
Ich bekomme den Inhalt trotzdem nicht wirklich mit und nicke nur.
Ich muss an Lucie denken. Nichts gegen Katrin oder Mia, aber die zwei sind einfach zu.. normal. Klassische Bilderbuchmädchen, die in der Masse untergehen und sich aber trotzdem für sehr einzigartig halten.
Ich mag sie und hab nichts gegen ihre Gesellschaft, aber das wars auch schon.
vintages am 16.5.11 19:31


GLAD SHE GOT MY ATTENTION

"Hast du schon irgendwelche hübschen Italienerinnen ausfindig gemacht oder kannst du dich jetzt mal auf mich konzentrieren?", fragt Caro amüsiert.
Sie drückt mich gegen die Wand und ich spüre ihren heißen Atem auf meinem Hals.
"Ich dachte du findest sie alle arrogant.", antworte ich und küsse sie.
"Nur die Älteren. Weil sie arrogant sind, Lionel.", grinst sie.
Ich erinnere mich daran, wie Caro sich vorher etwas angenervt darüber lustig gemacht hat, dass Max Kondome dabei hatte - was sie nicht wusste, war, dass fast alle welche dabeihatten, aber darum geht es nicht.
"Was denkt ihr eigentlich, was ihr hier tun werdet?", hatte sie gefragt.
Bei dem Gedanken daran muss ich grinsen und bin mir ziemlich sicher, dass sie weiß, woran ich denke, als sie mir provokant in die Lippe beißt.
Wir sind wegen einer Studienreise für fast zwei Wochen in Rom, es ist der erste Abend hier. Wir wohnen in einem Hotel direkt in der Nähe des Hauptbahnhofs Termini, und das Unfassbarste an der ganzen Sache ist, dass Lucie mit ihrer Lateingruppe auch hier ist - sie wohnt kaum eine Minute von unserem Hotel entfernt im Georgina, weil ihre Klasse statt wie wir in der Elften ihre Romreise in der Neunten macht, und das auch noch in genau den zwei Wochen, in denen wir hier sind.
Caro merkt, dass ich nicht ganz bei der Sache bin, aber sie zieht meine Aufmerksamkeit erstaunlich effizient wieder auf sich, indem sie mir ihre Hand in die Hose gräbt. Gott, ich bin auch nur ein Typ.
Wie auch immer. Das Hotel hat sechs Stöcke, unsere dreißigköpfige Gruppe hat den fünften Stock für sich alleine, und in einem der Zimmer, die nicht abgeschlossen sind, steht eine rote, alte Couch.
Was soll ich sagen? Jetzt hat Caro eine Antwort auf ihre Frage, was ich mit dem Ding vorhatte.



Später am Abend sitze ich entspannt in Boxershorts auf dem winzigen 1x1m-Balkon mit dem rostigen Geländer, rauche und hänge meinen Gedanken nach. Unter mir eine metertiefe Steinschlucht mit entferntem Blick auf den Termini.
Ich kann es noch nicht richtig fassen, hier zu sein. Das System der U-Bahn beziehungsweise Metro blicke ich mittlerweile halbwegs durch, weil ich das aus Berlin noch kenne, aber man braucht eine Weile, um diese Stadt zu begreifen. Unbewusst schweifen meine Gedanken wieder zu Lucie ab.
"Hey Lionel, was tustn du hier?", fragt Mike, quetscht einen zweiten billigen, weißen Plastikstuhl auf den Balkon, mit dem es verdammt eng wird, und setzt sich neben mich.
"Pennen die anderen schon?", frage ich und biete ihm eine Kippe an.
"Jo.", antwortet er und fischt sich eine raus.
Er zündet sie sich an, zieht sein Handy aus der Hosentasche und wirft einen Blick darauf.
"Kurz vor zwei.", murmelt er.
Seufzend lege ich den Kopf in den Nacken. "Ich kann nicht pennen."
"Alter, ich will noch nich pennen.", grinst er. "Sammal, was war da eigentlich mit dir und Caro?"
"Haben Gebrauch vom Dings gemacht.", antworte ich. Mike lacht triumphierend auf und schlägt mir grinsend auf die Schulter.
"Mike, ich hab dir doch mal was von ´ner Lucie erzählt.", fange ich daraufhin an.
"Mal was? Du laberst ständig von dem Mädel. Sie ist auch in Rom, oder?"
"Jo."
"Was Ernstes?"
"Keine Ahnung, Mann, aber ich krieg das Mädel nicht mehr aus dem Kopf. Ich überleg grad, ob ich morgen Abend mal vorbeischauen soll."
"Wo?"
"Im Georgina. Ist nicht weit von hier."
"Ah.", kommentiert Mike und fängt an, Rauchringe zu blasen. "Lionel, morgen abend gehts erst mal fett in die Metroschächte. Da hats ne Menge Graffiti."
"Du bist so ein Freak."
"Ich weiß, aber im Gegensatz zu dir kann ichs wenigstens.", grinst er.
Recht hat er.
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vintages am 15.5.11 02:00


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