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WONDERING

"Alter, was läuft da eigentlich mit dir und Caro?", fragt Mike und hat ein breites Grinsen im Gesicht, für das ich ihn schlagen könnte.
Angenervt vergrabe ich den Kopf in den Händen. Ich hab Kopfschmerzen, gestern zu viel getrunken, und bin einfach nur froh, dass ich heute nichts mehr zu tun hab.
"Lionel, komm schon."
"Nichts, verdammt!"
"Bist du nicht zu jung für eine Affäre? Ich mein´, sowas machen Leute Mitte Dreißig, die unglücklich verheiratet sind und.."
"Mike.", unterbricht ihn Sam. "Ich glaub, wir haben hier ein anderes Problem."
"Und zwar?", frage ich.
"Deine Freundin."
"Leute!", knurre ich und komme mir vor wie bei der Eheberatung.
"Was ist mit Mara?"
"Die merkt nichts."
"Wir haben auch was gemerkt."
Mike grinst schon wieder.
Trotzdem, eigentlich haben sie recht. Ich schließe die Augen.
Bilder blitzen vor mir auf, puslierend wie in dieser Coce-Zero-Werbung; Caro, die sich auszieht, ein Stöhnen, ihre blauen Augen, die mich so an Lucie erinnern.
"Scheiße.", stöhne ich.
Mike wendet sich wieder seinem Essen zu.
"Lionel, dein Problem ist nicht Mara, oder? Du bist nicht mit ihr verheiratet, verdammt. Wenn du was mit Caro hast, also gefühlsmäßig, dann würde das auch anders gehen."
"Nein, das ist es nicht.", murmel ich und denke an Lucie, während ich mich frage, was ich eigentlich will.
Eine ernste Beziehung. Mir selbst beweisen, dass ich nicht beziehungsunfähig bin und darüber hinaus nicht nur Sex will.
Und ich vögel trotzdem mit Caro.
vintages am 25.7.11 18:29


WOKEN UP

Ich wache neben Caro auf, brauche einen Moment, um mich zu orientieren, schaue ihr einen weiteren Moment beim Schlafen zu, bis sich mit einem leisen Stöhnen durch mein benebeltes Bewusstsein drängt, was ich getan hab.

Ich schlage mir die Hand vors Gesicht, atme einmal tief durch und lasse mich zurück ins Kissen sinken. Scheiße.
Irgendwann hieve ich mich dann aus dem Bett und schwanke in Boxershorts einmal quer über den Flur bis zu den Duschräumen.
Ich weiß nicht, wie lange ich geduscht habe, aber Caro schläft immer noch, als ich zurückkomme, um mir etwas anzuziehen.

Das Schlimmste ist nicht, dass ich schon wieder mit Caro geschlafen habe, das haben wir seit Rom bei Gott oft genug getan, das Schlimmste ist der Grund, warum ich es tue;
Bei Lucie traue ich es mich einfach nicht, sie wirkt zu unschuldig, meine Freundin Mara, die ich absolut nicht betrügen will, weil ich ernsthaft mal eine lange, echte Beziehung wollte, ist zu jung dazu, und Caro schließe ich - zusätzlich dazu, dass sie eine unglaublich gute Verführerin ist - mittlerweile wirklich ins Herz.
Oh ja, mittenrein..
Das Schlimmste ist, dass zwar Sonntag ist, aber die Chancen stehen gut, dass ich Mara heute noch des Öfteren begegnen werde, Caro sowieso. Internatsfluch.
Glücklicherweise ist wenigstens Lucie weit weg, wenn ich die jetzt auch noch um mich herumhätte, würde mich das völlig aus meinem Konzept mit Mara bringen.

Caro wacht auf, als ich rauchend am Fenster stehe und mir die Schläfen massiere, und zieht sich schläfrig an, bevor sie zufrieden gähnt und sich wieder ins Bett fallen lässt. Ich drücke meine Kippe auf dem Fenstersims aus und setzte mich auf den Bettrand. Meine beiden Zimmergenossen sind übers Wochenende zuhause, also sind wir allein.
Mir kommt der Gedanke, dass ich eigentlich heilfroh sein kann, dass sich Caro damit begnügt, herumzuvögeln und dabei ihren Spaß zu haben, ohne das jemandem zu erzählen. Mara wäre sicher nicht gerade begeistert. Auf der anderen Seite ist es für mich natürlich auch nicht gerade Quälerei.
"Caro, mit wie vielen Typen machst du das hier eigentlich?", frage ich sie grinsend.
Sie lacht. "Hältst du mich für ´ne Schlampe?", fragt sie.
"Wieso, bist du eine? Dafür kann ich dich ganz gut ausstehen."
Ihr helles Lachen klingt rau und kratzig vom Schlaf, und ich muss daran denken, wie ich auf der Party, die mittlerweile ein paar Wochen her sein muss, neben Lucie aufgewacht bin, ohne dass da etwas gewesen wäre.
Plötzlich ist mir klar, weshalb ich sie so mag. Sie erinnert mich mit ihrer offenen, ehrlichen, unkomplizierten Art an Lucie.
"Bist du eifersüchtig?", fragt sie lächelnd.
"Ein bisschen.", gebe ich grinsend zu und lasse mich neben sie ins Bett fallen.
Sie schüttelt amüsiert den Kopf, rollt sich auf meine Brust und küsst mich auf den Hals.
"Musst du nicht. Es gibt nur euch zwei.", murmelt sie.
Ich richte mich auf, sodass ich sie auf dem Schoß habe.
"Bitte??", frage ich gespielt fassungslos.
Sie lacht, küsst mich auf den Mund, streicht mir mit einer Hand durch die Haare.
"Amon, dieser Typ aus der zwölften.", antwortet sie. "Weißt du, du hast keinen Grund eifersüchtig zu sein, dann schon eher ich."
"Wieso?"
"Scheiße, tu doch nich so!" Sie lächelt. "Wer von uns beiden ist in einer festen Beziehung??"
"Hey, Mara ist ein tolles Mädchen.", antworte ich.
"Bestimmt. Nur leider fehlt dir mit ihr was, was ich erledigen muss."
"Mach meine Schuldgefühle nicht schlimmer.", stöhne ich.
Als Caros Handy vibriert, zieht sie es kurz aus ihrer Handtasche, die neben uns auf dem Bett liegt, wirft einen Blick auf das Display und seufzt.
"Süßer, ich muss weg."
"Amon?", brumme ich.
"Nein,", antwortet sie amüsiert, "Herr Decker, weil ich um diese Uhrzeit nicht im Mädchentrakt bin, sondern woanders. Lil meint, es wäre besser, wenn er mich hier nicht finden würde, und scheinbar ist er auf dem Weg hierher."
Caro steht auf, sammelt ein paar Sachen zusammen und lacht, als sie merkt, dass ich aufgestanden bin und jetzt gedankenversunken im Türrahmen stehe.
"Schuldgefühle?", fragt sie.
"Ein bisschen.", antworte ich.
Ich drücke sie gegen die Wand und küsse sie in den Nacken.
"Wieso eigentlich ausgerechnet ich?", frage ich zwischendrin. "Es gibt genug andere Typen hier, die Single sind."
"Ich habe schon meine Gründe, Lionel.", murmelt sie und küsst mich lange - lange - auf den Mund. Meine Antwort ist ein tiefes Stöhnen.
"Könntest du dir vorstellen, was mit mir anzufangen?", fragt sie.
"Du kriegst doch immer, was du willst.", antworte ich.
"Trotzdem kann ich nicht ganz nachvollziehen, was an Mara besser ist als an mir.", antwortet sie, ohne es ganz ernst zu meinen.
"Ich will mal eine ernste Beziehung.", gebe ich zu.
"Wir sehen uns.", antwortet sie lächelnd.
"Es würde keinen Sinn machen, Nein zu sagen, du kriegst mich eh wieder rum.", seufze ich resigniert.
"Ich weiß." Sie küsst mich ein letztes Mal und läuft los.
"Caro?", rufe ich ihr nach. Sie dreht sich im Gehen um.
"Was glaubst du, was wir machen würden, wenn wir erst zusammenwären? Ich würde nicht mehr aus dem Zimmer kommen und meinen Schulabschluss verhauen."
Ihr helles Lachen wird vom glücklicherweise leeren Flur zurückgeworfen, ihre Antwort kommt wenig später als SMS.

Ist schon okay so, wie es ist, ich will nur, dass du weißt, dass es einen
Grund gibt, weshalb ich immer und immer wieder mit dir vögel, Süßer.
Grüß Mara von mir, aber bitte ganz dezent.
xoxo
vintages am 3.7.11 12:14


TOMORROW COMES TODAY

Die Tage in Rom verschwimmen.
Es reißt einen mit, man gewöhnt sich an überfüllte Metrobahnen, stickige Busse, die riesigen, alten Häuser, umgeben von antiken Bauwerken, die die Archtektur scheinbar neu definiert haben.
Die Italiener haben eine bewunderswerte Lebensart.

Ich hab hier viel Zeit zum Nachdenken, und auch wenn der ein oder andere sagen wird, dass ich zum Nachdenken nicht nach Rom fahren muss, dann war er noch nicht dort.
Ich genieße meine Abende auf dem winzigen Balkon mit dem billigen Plastikstuhl und zwei, drei Zigaretten.
Wir rennen den ganzen Tag durch die Stadt, durch die Metroschächte, von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten, die Bauwerke stehen mitten in der Stadt wie verirrt. Du kommst aus der Metrostation und wirst schon von dem Anblick des Kollosseums erschlagen, biegst an einem Telekom-Shop um die Ecke und stehst plötzlich auf einem kleinen Platz, in dessen Mitte das Pantheon in den Himmel ragt.
Es liegt eine andächtige Antike über Rom, und trotzdem ist es eine Stadt wie jede andere, mit überfülltem Mc Donald´s, überfüllten Kirchen, überfüllten Bahnhöfen.

Wenn wir abends freihaben und nachts alleine unterwegs sind, zwischen alten Gebäuden durch die Straßen ziehen, kommt es einem so vor, als hätte man noch nie irgendwo anders gewohnt.
Ich hab mich immer noch nicht bei Lucie gemeldet, auch wenn ich mittlerweile herausgefunden habe, wo genau das Georgina ist. Es ist dermaßen nah bei unserem Hotel, dass es eigentlich ein Wunder ist, dass wir uns noch nicht begegenet sind.
Aber sie rutscht in den Hintergrund.
Ich hab öfter abends Aktionen mit Caro und weiß bis heute nicht, was wir eigentlich darstellen.
Aber ich bin nur ein testosterongesteuerter Jugendlicher, ich hab keine Chance, wenn das Mädel einmal anfängt.
Ich bin zu abgelenkt von dieser Stadt, um mir ernsthaft Gedanken um irgendwas machen zu können.
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vintages am 19.5.11 20:43


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